eh nur 21!? — naja, beinahe

 

Dass viele über die über­trie­bene Frei­zeit der Leh­re­rIn­nen hier­zu­lande läs­tern, ist äußerst ver­ständ­lich, folgt man dem media­len Dis­kurs. Wie ist es denn aber wirk­lich? Arbei­ten Leh­re­rIn­nen tat­säch­lich so wenig? Sie sind nur 21 Stun­den in den Klas­sen — ist das wirk­lich alles? Das biss­chen Hefte kor­ri­gie­ren kann doch kein Kraut der Welt fett machen, oder? Diese Serie soll einen Blick hin­ter die Kulis­sen ver­schie­de­ner Leh­rer­all­tage wer­fen und eine Ant­wort auf diese Fra­gen lie­fern. Dabei ste­hen fol­gende — durch­aus begrün­dete — Annah­men im Raum (die gerne dis­ku­tiert wer­den können):

  • Breite Mas­sen­denke: Jung­leh­re­rIn­nen wer­den als außer­ge­wöhn­li­che Spe­zies betrach­tet. Sie müs­sen einige Jahre alles in ihren Fächern genau vor­be­rei­ten, bis sie schluss­end­lich alles ein­mal gelehrt haben. Dann kön­nen sie immer wie­der auf die von ihnen bereits erstell­ten Unter­la­gen und Lehr­ma­te­ria­lien zurück­grei­fen. Ist das wirk­lich so?junglehrer
    • Annahme 1: Leh­re­rIn­nen müs­sen und wol­len (zum Wohle ihrer Schü­le­rIn­nen) sich regel­mä­ßig fort­bil­den. Daher gibt es immer wie­der neue Ein­sich­ten, wodurch ein­mal gehal­tene Stun­den nicht guten Gewis­sens ein­fach noch ein­mal repli­ziert wer­den kön­nen. Der klas­si­sche Lehrer/die klas­si­sche Leh­re­rin macht dies auch nicht.
    • Annahme 2: Enga­gierte Lehre bedarf immer neuer, aktu­el­ler Inhalte und einer stän­di­gen Anpas­sung die­ser Inhalte an immer unter­schied­li­che Bedürf­nisse von Schü­le­rIn­nen. Enga­gierte Leh­re­rIn­nen hören somit nicht auf, sich so gründ­lich vor­zu­be­rei­ten, wie Jung­leh­re­rIn­nen. Dar­über hin­aus star­ten sie Pro­jekte, orga­ni­sie­ren ver­schie­denste Schul­ver­an­stal­tun­gen und arbei­ten für die Schul­ent­wick­lung, wenn sie sich soweit eta­bliert haben, dass der nor­male Lehrall­tag sie nicht mehr zu 120% fordert.
  • Breite Mas­sen­denke: Die meis­ten Leh­re­rIn­nen ergrei­fen ihren Beruf wegen der Ferien. Sie arbei­ten nicht um das Beste für unsere Kin­der, son­dern die meiste Frei­zeit bei einem noch immer pas­sa­blen Gehalt zu errei­chen.klassenzimmer
    • Annahme 3: Enga­gierte Leh­re­rIn­nen bil­den sich in den Ferien fort oder orga­ni­sie­ren andere Ver­an­stal­tun­gen. Natür­lich nicht wäh­rend der gesam­ten Ferien. Aber wer wür­den denn sei­nen gesam­ten Urlaub dar­auf ver­wen­den, wie­der zu arbeiten?
    • Annahme 4: Schwarze Schafe gibt es in jeder Pro­fes­sion, jedoch ist keine Pro­fes­sion ein schwar­zes Schaf an sich. Der Groß­teil der Leh­re­rIn­nen macht ihren Job solide und gut. Dar­über hin­aus gibt es noch viele (denk doch an deine eigene Schul­ver­gan­gen­heit zurück oder schau dir ein­mal diese inter­es­sante Initia­tive an) exzel­lente Leh­re­rIn­nen, die tat­säch­lich inspi­rie­ren und zum Teil auch Lebens­wege zum bes­se­ren verändern.

Unter die­sen Annah­men ist eine gene­ra­li­sie­rende Aus­sage durch Ein­zel­be­si­pi­ele zwar noch immer bestreit­bar, aber auch unbe­strit­ten einsichtsreich.

Liebe alle: Ich bin gespannt auf eure Kom­men­tare.
Liebe Leh­re­rIn­nen: Noch gespann­ter bin ich auf eure eige­nen Berichte über Arbeits­zeit und Bei­träge zu “eh nur 21!?”

Möch­test du auch selbst einen Bei­trag leis­ten und deine tat­säch­lichen Wochen­stun­den auf Eh nur 21!? ver­öf­fent­li­chen? Dann trage sie ganz ein­fach und unkom­pli­ziert hier ein.

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Bern­hard (28 Posts)

Bern­hard stu­dierte Inter­na­tio­nale Betriebs­wirt­schaft sowie Stra­te­gie, Inno­va­tion und Con­trol­ling mit den Schwer­punk­ten Inter­na­tio­na­les Mar­ke­ting, Unter­neh­mens­grün­dung, Inno­va­ti­ons­ma­nage­ment und Beha­vio­ral Finance in Wien, Mon­treal und Neu-Delhi. Er sam­melte in meh­re­ren inter­na­tio­na­len Pro­jek­ten und Unter­neh­men Erfah­run­gen im Bereich Con­sul­ting, Inno­va­ti­ons­ma­nage­ment, Social Entre­pre­neurship und Ven­ture Capi­tal. Der­zeit ist er als Leh­rer für Eng­lisch, Mathe­ma­tik und Infor­ma­tik an einer Neuen Mit­tel­schule im 10. Wie­ner Gemein­de­be­zirk tätig.


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