Erfolgsmessung einmal anders: 19 Zeichen ob du einen Unterschied machst

 

Pla­nen. Beur­tei­len. Sich ver­net­zen. Zusammenarbeiten.

Du dif­fe­ren­zierst, bewäl­tigst Büro­kra­tie, alpha­be­ti­sierst und kon­trol­lierst die Recht­schrei­bung, schreibst in sozia­len Netz­wer­ken, hältst dich an Bil­dungs­stan­dards und Lehr­pläne, ver­wen­dest neue (und alte) Tech­no­lo­gien und inspi­rierst zum Den­ken und zum Tun. Mög­li­cher­weise ver­mit­telst du sogar Cha­rak­ter­stär­ken (wie hier) oder ein fle­xi­bles Ler­ne­rIn­nen­selbst­bild (wie hier).

Das und noch viel mehr leis­ten Leh­re­rIn­nen tag­ein und tag­aus. Am Ende des Tages (oder des Schul­jah­res bekommt man Bal­ken­dia­gramme oder ein­fa­che Noten­über­sich­ten nach Tests und Schul­ar­bei­ten, um zu zei­gen, ob das, was wir tun, wirk­lich einen Unter­schied macht. erfolgsmessungAber es gibt noch andere — viel gewich­ti­gere und vor allem moti­vie­ren­dere — Anzei­chen, um zu über­prü­fen, wie gut man seine Haus­auf­ga­ben als Leh­re­rIn gemacht hat. Habe ich wirk­lich einen Unter­schied gemacht? Hier sind 19 Zei­chen, die, wenn man sie im Ver­hält­nis der Lehr­per­son zu den Kin­dern beob­ach­ten oder erle­ben kann, für die tat­säch­li­che Ver­än­de­rung der Lebens­wege der Schü­le­rIn­nen stehen.

19 Zei­chen, ob du wirk­lich einen Unter­schied machst

  1. Deine Schü­le­rIn­nen stel­len Fra­gen und geben nicht nur Ant­wor­ten
    Kri­ti­sches Den­ken bedeu­tet nicht, här­ter zu den­ken bevor man eine Ant­wort gibt. Es bedeu­tet, kri­tisch über alle mög­li­chen Ant­wor­ten nach­zu­den­ken und diese abzu­wä­gen. Wenn deine Schü­le­rIn­nen mehr fra­gen und sich wohl dabei und somit gleich­zei­tig bei dir füh­len, dann kannst du sicher sein, dies wird für sie zu einer Ange­wohn­heit, die sich außer­halb der Schule fort­set­zen wird.
  2. Du hast deine Auto­ri­tät für die Inspi­ra­tion ein­ge­setzt und nicht zur Ein­schüch­te­rung
    Affe sieht, Affe tut. Jeder kennt doch einen ehe­ma­li­gen Pro­fes­sor oder Leh­rer, der so enorm beein­druckt hat, dass man ihm auch ohne dis­zi­pli­nä­ren Macht­kampf ein­fach zuhö­ren wollte. Diese Leh­re­rIn­nen hin­ter­las­sen spu­ren. Sie prä­gen. Wenn du mehr Zeit beim Inspi­rie­ren als beim Dis­zi­pli­nie­ren ver­bringst ist dies somit nicht nur eine Prä­ven­tiv­maß­nahme gegen schlechte Dis­zi­plin, son­dern auch ein wirk­li­cher Unter­schied in den spä­te­ren Erwach­se­nen zu denen deine Schü­le­rIn­nen heranwachsen.
  3. Du hast min­des­tens so oft wie du Vor­träge gehal­ten hast auch zuge­hört — eine wei­tere Lek­tion in Sachen Auto­ri­tät
    Deine Schü­le­rIn­nen haben deine Gedan­ken und Ideen durch das Lau­schen wäh­rend dei­ner Stunde respek­tiert (zumin­dest meis­tens). Das Min­deste, was du tun kannst, ist auch ihre Gedan­ken und Ideen zu respek­tie­ren. Den Kin­dern regel­mä­ßig ein Ohr zu lei­hen ist die ulti­ma­tive Form von Ermäch­ti­gung und Anerkennung.
  4. Deine schüch­ter­nen Schü­le­rIn­nen begin­nen öfter frei­wil­lig teil­zu­neh­men, ohne dazu auf­ge­for­dert wer­den zu müs­sen
    „Cold Cal­ling“ (dran neh­men nicht auf­zei­gen­der Schü­le­rIn­nen) um die Schü­le­rIn­nen auf Trab zu hal­ten kann diese bei der Stange und auf Trab hal­ten, aber es schafft mit Sicher­heit keine Atmo­sphäre der Zusam­men­ar­beit und des Respekts. Wenn die Ruhi­ge­ren die Sicher­heit spü­ren bzw. das Bedürf­nis ent­wi­ckeln, es auch ein­mal auf eigene Faust zu ver­su­chen, dann weißt du, du hast einen Unter­schied gemacht.
  5. EinE Schü­le­rIn, die du zu etwas ermu­tigt hast, hat mit ihren Talen­ten etwas Neues geschaf­fen
    Alleine der Akt des krea­ti­ven Schaf­fens ist so per­sön­lich, ein­präg­sam und erfreu­lich, dass du dir sicher sein kannst, dass deine Schü­le­rIn­nen es sich zur Gewohn­heit machen möchten.
  6. Eine Schü­le­rIn hat dir gesagt, dass sie wegen etwas, das du in der Klasse gesagt hast das Ler­nen außer­halb der Schule genießt oder gerne macht
    Selbst, wenn es ein kurz­le­bi­ges Inter­esse sein sollte, haben deine Schü­le­rIn­nen erkannt, dass Ler­nen außer­halb des Unter­richts nicht unbe­dingt nur Haus­auf­ga­ben machen bedeu­ten muss.
  7. Du hast deine Schü­le­rIn­nen zum Lachen gebracht
    Men­schen mögen andere, die sie zum Lachen brin­gen und hören ver­mehrt auf sie. Wenn du bei einem bestimm­ten Thema auch dei­nen Sinn für Humor zei­gen kannst, schmiert sich die Lern­ma­schi­ne­rie in den Köp­fen dei­ner Schü­le­rIn­nen fast wie von selbst
  8. Du hast neue Dinge aus­pro­biert
    Schü­le­rIn­nen (vor allem, wenn sie älter sind) kön­nen Ver­än­de­run­gen gegen­über sehr kri­tisch ein­ge­stellt sein. Ein neues Bewer­tungs­sys­tem oder eine uner­war­tete Grup­pen­dis­kus­si­ons­runde kann leicht statt dem erwar­te­ten erneu­ten Inter­esse den Unmut der Klasse her­auf­be­schwö­ren. Eines ist aber gewiss: deine Schü­le­rIn­nen wer­den sich daran erin­nern. Ob die Ände­rung erfolg­reich ist oder ob sie das nicht ist, das ist im End­ef­fekt gar nicht so wich­tig. Sie wer­den sich Jahre danach noch daran erin­nern, wenn sie auf der Straße ent­lang mar­schie­ren und an ihre Schul­zeit den­ken und alle ande­ren Schul­stun­den in einem mono­to­nen Ein­heits­ge­dan­ken ver­schwim­men, weil sie ein­an­der so ähn­lich waren.
  9. Du hast impro­vi­siert
    Respekt und Inspi­ra­tion ent­ste­hen durch erlebte Aben­teuer und wenn Risi­ken ein­ge­gan­gen wer­den. Sich aus dem Fens­ter zu leh­nen und auch ein­mal in unge­wohnte oder unvor­be­rei­tete Berei­che vor­zu­sto­ßen, schin­det Ein­druck und inspi­riert auch Schü­le­rIn­nen (man könnte ja auch ein­mal so fle­xi­bel wer­den und/oder sol­che Risi­ken wagen, wie unserE LehrerIn).
  10. Deine Schü­le­rIn­nen fra­gen dich nach einem Refe­renz­schrei­ben
    Ob du jedes Jahr von Anfra­gen für Emp­feh­lungs­schrei­ben über­häuft wirst oder nur ein ein­zi­ges wäh­rend dei­ner gesam­ten Kar­riere geschrie­ben hast, das (Selbst)Vertrauen, das du gestärkt hast und den Unter­schied, den du gemacht hast kannst du sicher nicht leugnen.
  11. Du hast deine Leidenschaft(en) in dei­nem Unter­richt ein­ge­bracht
    Es ist schwer, moti­viert zu blei­ben, wenn du das glei­che Mate­rial schon seit 25 Jah­ren unter­rich­test, aber es ist min­des­tens genauso schwer für deine Schü­le­rIn­nen moti­viert zu blei­ben, wenn sie nicht wis­sen, warum dein Fach sie jetzt eigent­lich begeis­tern soll. Auch wenn nie alle bei einem Thema Feuer fan­gen, haben sie zumin­dest gelernt, dass unter­schied­li­che Men­schen unter­schied­li­che Inter­es­sen haben und dass es gut ist, seine Lei­den­schaft zu tei­len, unab­hän­gig davon, was andere Leute dar­über denken.
  12. Du hast dei­nen Schü­le­rIn­nen ver­ständ­lich gemacht, warum das, was sie bei dir ler­nen, für sie per­sön­lich rele­vant sein kann
    Psy­cho­lo­gen haben regel­mä­ßig her­aus­ge­fun­den, dass Men­schen, die daran erin­nert wer­den, was das Gelernte in ihrem eige­nen Leben bewir­ken oder ver­än­dern kann, sich diese Dinge viel bes­ser mer­ken. Was uns per­sön­lich rele­vant erscheint, bleibt im Gedächt­nis. Das ist wahr­schein­lich einer der weni­gen Vor­teile unse­rer doch eher ego­zen­tri­schen Kultur.
  13. Du hast dich um deine Schü­le­rIn­nen geküm­mert und ihnen auch gezeigt, dass du das tust
    For­scher an der Uni­ver­sity of Leices­ter haben bewie­sen, dass Schü­le­rIn­nen den Leh­re­rIn­nen die größte Auto­ri­tät beschei­ni­gen, die sich tat­säch­lich um sie küm­mern. Wenn das wahr ist, dann demons­trierst du ein wun­der­ba­res Prin­zip: Respekt ent­steht durch Zuwen­dung und „gutes“ Verhalten.
  14. Du hast zur Berufs– und/oder Schul­wahl einer Schü­le­rIn beige­tra­gen
    Ob deinE Schü­le­rIn bereits Inter­esse an dei­nem Fach hatte bevor sie in dei­nem Unter­richt war oder sich erst dann dafür zu inter­es­sie­ren begann spielt keine große Rolle. Du weißt jeden­falls, dass du einen Unter­schied gemacht hast, wenn sie/er dich pri­vat über Kar­rie­ren und Aus­bil­dungs­wege in dei­nem Fach­ge­biet befragt.
  15. Eine/r dei­ner Schü­le­rIn­nen wird selbst Leh­re­rIn
    Das ist viel­leicht eine der größ­ten Bestä­ti­gun­gen von allen. Du musst wis­sen, dass du in die­sem Pro­zess auf jeden Fall eine Rolle gespielt hast indem du etwas getan oder auch nicht getan hast.
  16. Ein Eltern­teil kommt mit posi­ti­ven Rück­mel­dun­gen auf dich zu
    Diese Form der Rück­mel­dung kommt sicher­lich viel zu sel­ten vor, ist aber gleich­zei­tig enorm beru­hi­gend und eine groß­ar­tige Bestä­ti­gung, wenn es dann ein­mal so ist. Manch­mal hast du keine Ahnung, ob deine Schü­le­rIn­nen auch nur ein Wort dei­nes Unter­richts mit­be­kom­men oder auf­neh­men bis ein Eltern­teil auf dich zukommt und dir für genau diese Dinge dankt.
  17. Deine Schü­le­rIn­nen besu­chen dich auch wenn sie nicht müs­sen
    Leh­rer­sein ist sicher­lich kein Beliebt­heits­wett­be­werb. Es ist viel­mehr ein Wett­be­werb der Ver­füg­bar­keit und Offen­heit. Wenn deine Schü­le­rIn­nen sich so wohl füh­len, dass sie sich auch nach dei­nem Unter­richt in deine Nähe trauen – egal, ob für Hilfe bei einer Auf­gabe oder für Tipps zu ihrem wei­te­ren Lebens­weg –, dann hast du schon jetzt einen Unter­schied gemacht.
  18. Du kannst ein Men­tor sein, wenn es dar­auf ankommt
    Viele Schü­le­rIn­nen lei­den unter gro­ßen Hin­der­nis­sen, die ihr Ler­nen zuhause und ganz gene­rell erschwe­ren. Diese kön­nen zum Bei­spiel das Ergeb­nis von inne­ren Kon­flik­ten oder Unru­hen und Que­re­len zuhause sein. Wäh­rend es Schü­ler­be­ra­te­rIn­nen, Betreu­ungs­leh­re­rIn­nen und Schul­psy­cho­lo­gIn­nen ja nicht ohne Grund gibt, kannst du es dir auf kei­nen Fall leis­ten, per­sön­li­che Ange­le­gen­hei­ten kom­plett aus dei­ner Klasse zu ver­ban­nen. Ler­nen ist untrenn­bar an unsere Gefühle geknüpft und das ist etwas, das du dei­nen Schü­le­rIn­nen anschau­lich auf­zei­gen und demons­trie­ren kannst.
  19. Du zeigst Kraft und Geduld
    Wir haben alle schon ein­mal auf akute Pro­bleme mit über­schie­ßen­den Emo­tio­nen rea­giert, egal ob diese das Ergeb­nis von Pro­ble­men zuhause oder von per­sön­li­chen Strei­te­reien waren. Am Ende eines har­ten Tages besteht die ulti­ma­tive Lek­tion, die es zu ler­nen gilt, darin, nie­man­den außer sich selbst in die Ver­ant­wor­tung zu neh­men. „Be the change you want to see in the world“ hat schon Gan­dhi gesagt. Unsere Schü­le­rIn­nen beob­ach­ten und ler­nen stän­dig und eines Tages wird auch sie jemand beobachten.

Trotz all­dem, was Aus­bild­ne­rIn­nen, Medien, Poli­ti­ke­rIn­nen, etc. ver­su­chen in unsere Schä­del zu häm­mern, gibt es Päd­ago­gen auch (oder vor allem), um „gute“ Men­schen und nicht nur gute Test­er­geb­nisse zu pro­du­zie­ren. Der wahre Maß­stab für unse­ren Erfolg ist schwer mess­bar oder in For­mu­lare zu fül­len, aber ganz ein­fach am Ver­hal­ten unse­rer Schü­le­rIn­nen fest­zu­ma­chen. Achte auf die Zei­chen! Und bleib offen für Ver­än­de­run­gen und Ver­bes­se­run­gen. Dann kommt der Unter­schied, den du im Leben ande­rer machst, fast wie von selbst.

Dieser Artikel basiert auf dem Artikel "20 Signs You're Actually Making a Difference as a Teacher", der im Jänner auf Teach Thought (http://www.teachthought.com) erschienen ist.
Bern­hard (28 Posts)

Bern­hard stu­dierte Inter­na­tio­nale Betriebs­wirt­schaft sowie Stra­te­gie, Inno­va­tion und Con­trol­ling mit den Schwer­punk­ten Inter­na­tio­na­les Mar­ke­ting, Unter­neh­mens­grün­dung, Inno­va­ti­ons­ma­nage­ment und Beha­vio­ral Finance in Wien, Mon­treal und Neu-Delhi. Er sam­melte in meh­re­ren inter­na­tio­na­len Pro­jek­ten und Unter­neh­men Erfah­run­gen im Bereich Con­sul­ting, Inno­va­ti­ons­ma­nage­ment, Social Entre­pre­neurship und Ven­ture Capi­tal. Der­zeit ist er als Leh­rer für Eng­lisch, Mathe­ma­tik und Infor­ma­tik an einer Neuen Mit­tel­schule im 10. Wie­ner Gemein­de­be­zirk tätig.


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