Herr Lehrer! Können Sie kurz warten?

 

Von Lot­to­ge­win­nern und Wei­ter­ent­wick­lern haben wir ja bereits gehört und warum ein biss­chen posi­tive Psy­cho­lo­gie in unse­rem Leben mehr sein sollte als die Rand­grup­pen­be­schäf­ti­gung, die wir arg­wöh­nisch beäu­gen und augen­blick­lich augen­rol­lend als Hokus­po­kus ver­ur­tei­len, kannst du auch hier noch ein­mal durch­le­sen.

Für Begeis­te­rungs­fä­hige sei hier noch ein­mal auf die zwei Videos von zwei Grö­ßen im Feld der posi­ti­ven Psy­cho­lo­gie ver­wie­sen. Wer mehr lesen, erfah­ren oder pro­bie­ren möchte, kann auch hier noch ein­mal rein­schauen. Ansons­ten kann ich mit dem zwei­ten Teil mei­ner “Reflek­tier doch ein­mal. Nur posi­tiv. Für 7 Tage.”-Challenge beginnen.

Meine 3 klei­nen und/oder gro­ßen Glücks­mo­mente heute:

  1. “Herr Leh­rer, kön­nen Sie kurz war­ten,
    …ich würde gerne etwas ändern! Kann ich mich viel­leicht ein­mal woan­ders hin­set­zen, damit ich nie­man­den mehr zum Trat­schen und Stö­ren habe?” kam heute von einem mei­ner etwas ver­hal­tens­krea­ti­ve­ren, auf­fäl­li­ge­ren Schü­ler. Ihm macht mein Unter­richt grund­sätz­lich Spaß, er ist auch für das Fach sehr begeis­te­rungs­fä­hig. Ein­zi­ges Pro­blem: Er kann schon ab und zu (und das ist unter­trie­ben) über die Stränge schla­gen. Sein Mund­werk hat er ein­fach (noch?) nicht ganz im Griff. Um diese Pro­blem­chen (auch bei ande­ren Schü­le­rIn­nen) in den Griff zu bekom­men, haben wir uns gerade letzte Woche auf ein mehr­stu­fi­ges Eska­la­ti­ons­sys­tem geei­nigt. Was sich so hoch­ge­sto­chen liest, ist nicht viel mehr als “bei einem Stri­cherl auf der Tafel pas­siert das, beim zwei­ten das, beim drit­ten…”. Nach­dem wir seit die­ser Woche etwas stren­ger durch­grei­fen, wenn sich eine Schü­le­rIn über­haupt nicht in den Griff bekommt, hatte das auch die ers­ten “har­ten Momente” zur Folge. Was mir erst schwer fiel, beweist sich als gute Neue­rung.
    Warum? Weil sich kon­se­quent blei­ben aus­zahlt. Und wenn es sicher ein Ent­wick­lungs­punkt bleibt, so ist das ein­mal ein gutes Zei­chen für Schritte in die rich­tige Richtung.
  2. Moti­va­tion
    Eine Schü­le­rIn, eigent­lich aus­ge­tes­tet als Son­der­schü­le­rIn, nur wegen Platz­man­gels nicht auf­ge­nom­men, fin­det ihre Moti­va­tion und arbei­tet seit 2 Wochen so enga­giert und selbst­be­wusst mit, wie noch nie. Gleich­zei­tig scheint ihr das Fach auch Spaß zu machen. Sie fei­ert — mit mir — die klei­nen Erfolge, die sie erzielt und ist in den regel­mä­ßi­gen Grup­pen­ar­bei­ten, die wir zur­zeit machen, nicht mehr nur Mit­läu­fe­rin, son­dern teil­weise sogar ton­an­ge­bend (und das bezieht sich wenig auf die Laut­stärke).
    Warum? Woran das genau liegt, ist mir selbst nicht klar. Will­kom­men ist es aber alle­mal. Viel­leicht auch eine Mischung zwi­schen moti­vie­ren­den Team­ar­bei­ten, dem Druck, die Team­mit­glie­der nicht im Stich zu las­sen und kla­ren Arbeits­an­wei­sun­gen (die sie laut wie­der­keh­ren­dem Feedback-Bogen sehr schätzt).
  3. “Ein­fach nur ler­nen!?“
    War der Aus­ruf eines Schü­lers, als er bei einem (wie­der­hol­ten) Test plötz­lich fast die Maxi­mal­punk­te­an­zahl erreichte. Nach unse­rem letz­ten Kurz­quiz erahn­ten wir, dass die meis­ten der Kin­der — vor allem die Schwä­che­ren — ein­fach nur nicht lern­ten, obwohl sie ansons­ten rela­tiv moti­viert und bei der Sache sind. Dar­auf­hin gab es wäh­rend dem Unter­richt für einige Aus­er­wählte ver­schrie­bene Lern­zeit. 5 Minu­ten ler­nen, dann Test noch ein­mal machen. Der Erfolg war selbst für die Kin­der ver­blüf­fend. 5 Minu­ten Zeit, dafür fast alle Punkte. Eine groß­ar­tige Rela­tion!
    Warum? Weil selbst das Ler­nen (also in die­sem Fall ein­fach hin­set­zen und Buch auf­schla­gen) gelernt sein will, man ohne das auch den Kin­dern zu ver­mit­teln ver­sucht hat, ihnen dafür auch schlecht Vor­würfe machen kann und weil es immer hilft, Kin­dern zu zei­gen, wie sie “gut” sein können.

Teile auch du deine (posi­tive) Refle­xion und zeige, dass es regel­mä­ßig auch Posi­ti­ves aus den Klas­sen­zim­mern die­ses Lan­des zu berich­ten gibt.

Bern­hard (28 Posts)

Bern­hard stu­dierte Inter­na­tio­nale Betriebs­wirt­schaft sowie Stra­te­gie, Inno­va­tion und Con­trol­ling mit den Schwer­punk­ten Inter­na­tio­na­les Mar­ke­ting, Unter­neh­mens­grün­dung, Inno­va­ti­ons­ma­nage­ment und Beha­vio­ral Finance in Wien, Mon­treal und Neu-Delhi. Er sam­melte in meh­re­ren inter­na­tio­na­len Pro­jek­ten und Unter­neh­men Erfah­run­gen im Bereich Con­sul­ting, Inno­va­ti­ons­ma­nage­ment, Social Entre­pre­neurship und Ven­ture Capi­tal. Der­zeit ist er als Leh­rer für Eng­lisch, Mathe­ma­tik und Infor­ma­tik an einer Neuen Mit­tel­schule im 10. Wie­ner Gemein­de­be­zirk tätig.


Bild­quel­len

  • same old same old: BK


  • Till H. Groß

    Hey Bern­hard,

    coole Videos, die du gepos­tet hast aber auch span­nend was du schreibst.

    Vor allem den letz­ten Punkt den du erwähnt hast “Das Ler­nen ler­nen” ist mei­ner Mei­nung nach sehr wich­tig. Ich per­sön­lich halte zwar nicht viel von Schule oder Uni und befür­worte eher, dass man sich kon­kret seine Bil­dung selbst zusam­men­stellt, doch da ist es umso wich­ti­ger her­aus­zu­fin­den, wie man wirk­lich gut lernt.

    Meine Buch­tipps dazu:
    Nick Win­ter — Mot­va­tion Hacker
    Cal New­port — How to become a Straight-A-Student

    Alles Liebe

    Till