Hinter Fassaden oder vor Wahlen

 

Was für einen Sturm der Empö­rung eine “gran­telnde” Aus­sage eines Lokal­za­ren aus­lö­sen kann, haben wir diese Woche mit­er­le­ben kön­nen. Michael Häupl sitzt nun­mehr auf der Esels­bank von Öster­reichs Päd­ago­gen und wird — zurecht — in den Medien durch den Kakao gezo­gen (Sati­re­me­dien wit­zeln zum Stich­wort: Leber­werte). Die Wie­ner Leh­rer sind zum ers­ten Mal beim roten Mai-Aufmarsch nicht dabeiStun­den­auf­zeich­nun­gen und Lehrer-Selbsttests begin­nen immer mehr an Inter­esse zu gewin­nen und die Leh­rer­zim­mer plat­zen in den kur­zen Pau­sen fast vor “heute ist ja eh schon Diens­tag… da kön­nen wir end­lich Fei­er­abend machen”-Witzen.

dienstagfeierabend

Häupl selbst wird zwar vom Par­tei­tag wie­der gewählt, die Ent­schul­di­gung, die er indi­rekt in Rich­tung sei­nes 22-Stunden-Sagers an die Leh­rer­schaft rich­tet, ist aber mehr als faden­schei­nig und wenig ernst­zu­neh­mend. Was bleibt sind ver­stimmte Gemü­ter, gran­tige Leh­rer und wohl oder übel eine bos­haft schmun­zelnde Menge, die sich bestä­tigt fühlt und glaubt, es eh schon immer gewusst zu haben. “Krass ist es schon, was der Häupl gesagt hat, aber einen Fun­ken Wahr­heit hat’s dann doch wohl trotz­dem”, ist ein weit ver­brei­te­ter Gedankengang.

Dass es sicher nicht Eh nur 21!? Stun­den Arbeit sind, weiß jedes Kind. Vor allem die Kin­der, die gerade die Schul­bank drü­cken und ab und zu hin­ter die Kulis­sen bli­cken. Die Hefte ver­bes­sern sich sel­ten von alleine, die Stun­den mit aktu­el­lem Bezug auf das, was in der Welt gerade so vor­geht, berei­ten sich auch nicht von alleine vor und span­nende, for­dernde Pro­jekte oder Pro­jekt­wo­chen kom­men nicht ein­fach so geflo­gen. Das ver­mu­ten auch breite Teile der Bevölkerung.

 

Die Anschul­di­gun­gen sind absurd. Ähn­lich wäre es Ingrid Thurn­her oder Armin Wolf (oder irgend­ei­nem ande­ren Fern­seh­mo­de­ra­tor zu die­sem Zwe­cke) vor­zu­wer­fen, dass sie nur 20 Minu­ten pro Tag arbei­ten wür­den, weil man sie auch nicht län­ger im Fern­se­hen zu Gesicht bekommt. Dass oft mehr dazu­ge­hört, als unmit­tel­bar ins Auge fällt, ist wohl klar. Das rea­li­sier­ten viele spä­tes­tens mit dem Auf­schwung der Germany’s Next Top­mo­dels und ähn­li­chen Formaten.

behindscene

Warum aber dann das alles? Kann es sein, dass eine gewisse Logik dahin­ter steckt? Es hat sich ja schon als rela­tiv gesi­chert gezeigt, dass das “Lehrer-Bashing” beson­ders vor Wah­len Hoch­kon­junk­tur hat (siehe dazu Ö1 hier). Wie kann es dann sein, dass trotz­dem immer wie­der alle auf das glei­che Spiel ein­stei­gen? Traurig.

Was tat­säch­lich bleibt, ist näm­lich nicht eine Dis­kus­sion über Refor­men, Ver­bes­se­run­gen, Ver­än­de­run­gen, son­dern ein fah­ler Beige­schmack, eine Ver­här­tung bereits beste­hen­der Grä­ben und ein Leh­rer­bild, das noch einen Zacken mehr aus einer schon sehr, sehr ram­po­nier­ten Krone geschla­gen bekommt. Traurig.

loselose

Öster­reichs Poli­tik — und das kann man lei­der nicht nur Michael Häupl zugute hal­ten — schafft es hier kon­stant wirk­li­che LOSE-LOSE Situa­tio­nen zu schaf­fen. Alle ver­lie­ren. Mögen es auf den ers­ten Blick nur die gekränk­ten Egos der Leh­re­rin­nen und Leh­rer sein, so gesel­len sich bei genaue­rer Betrach­tung dann auch Eltern und Kin­der mit dazu und schluss­end­lich die gesamte Gesell­schaft. Visionäre Gestal­tung sieht anders aus. Lea­dership auch.

Bern­hard (28 Posts)

Bern­hard stu­dierte Inter­na­tio­nale Betriebs­wirt­schaft sowie Stra­te­gie, Inno­va­tion und Con­trol­ling mit den Schwer­punk­ten Inter­na­tio­na­les Mar­ke­ting, Unter­neh­mens­grün­dung, Inno­va­ti­ons­ma­nage­ment und Beha­vio­ral Finance in Wien, Mon­treal und Neu-Delhi. Er sam­melte in meh­re­ren inter­na­tio­na­len Pro­jek­ten und Unter­neh­men Erfah­run­gen im Bereich Con­sul­ting, Inno­va­ti­ons­ma­nage­ment, Social Entre­pre­neurship und Ven­ture Capi­tal. Der­zeit ist er als Leh­rer für Eng­lisch, Mathe­ma­tik und Infor­ma­tik an einer Neuen Mit­tel­schule im 10. Wie­ner Gemein­de­be­zirk tätig.


Source :

Ö1, ORF