Hook! Da spricht wer…

 

Leh­re­rIn­nen haben viel zu sagen. Sie strot­zen nur so vor Exper­ten­wis­sen in ihrem jewei­li­gen Fach­be­reich. Was sie aber alle­samt wis­sen, ist, dass die bes­ten Inhalte nur dann auch wirk­lich beim End­ab­neh­mer, also den Schü­le­rIn­nen, ankom­men, wenn diese lern­be­reit und –wil­lig sind. Diese Rea­li­sie­rung kann zur über­has­te­ten Ernüch­te­rung füh­ren, wenn man sich tag­täg­lich anstatt mit Wis­sens­ver­mitt­lung um Erzie­hungs­ar­beit und Dis­zi­plin im Klas­sen­zim­mer küm­mern muss. Da die­ses Pro­blem aber seit Jahr­zehn­ten von den ver­schie­dens­ten Leh­re­rIn­nen in den ver­schie­dens­ten Lern­um­ge­bun­gen immer wie­der erfah­ren wird, gibt es auch wert­volle und bewie­sene Tipps und Tricks, um den Schü­le­rIn­nen nicht das Fürch­ten, son­dern das Ler­nen zu leh­ren und nicht den Kampf, son­dern die Freude am Ent­de­cken anzu­sa­gen. Das hört sich sim­pel an, doch wie so oft wir­ken auch diese Wun­der­pil­len nicht über­nacht. Übung macht den Lehr­meis­ter. (Warum sollte ich das lesen, selbst wenn ich keinE Leh­re­rIn bin?)

Der wich­tigste Trick exzel­len­ter Leh­re­rIn­nen, die jeder ken­nen sollte, wird oft­mals schwer unter­schätzt und gleich­zei­tig ver­mengt mit fal­schen Vor­stel­lun­gen dar­über, wie “zu zeit­in­ten­siv”, “zu ver­ein­fa­chend”, “nicht pas­send für jedes Thema” oder “zu viel Auf­wand in der Vor­be­rei­tung”. Dabei ist es das Wirk­samste, was Leh­re­rIn­nen und alle ande­ren, die Men­schen auf­nah­me­fä­hig für fol­gende Ideen machen wol­len, anwen­den kön­nen. Die Rede ist vom Hook. Einem kur­zen Ein­lei­tungs­mo­ment, der Zuhö­re­rIn­nen zum Thema füh­ren soll und sie moti­viert, alles auf­zu­sau­gen, was danach kommt.

hook

Das hört sich viel­ver­spre­chend und ein­fach an, aber wie genau funk­tio­niert das? Der Hook pas­siert inner­halb der ers­ten 30 Sekun­den bis 5 Minu­ten einer Ein­heit bzw. einer Prä­sen­ta­tion. Er soll her­vor­strei­chen, was genau an dem fol­gen­den Thema so span­nend, inter­es­sant oder nütz­lich sein wird und führt Zuhö­re­rIn­nen dazu, den ers­ten Schritt des Weges bis zum Ver­ste­hen und Meis­tern des The­mas selbst zu gehen und gehen zu wol­len. Im Grunde ken­nen wir alle die­ses Phä­no­men. Wenn wir eine gute Ein­lei­tung hören, die uns moti­viert, die wir als viel­ver­spre­chend für unser eige­nes Leben oder ein­fach nur lus­tig, anspre­chend und/oder fas­zi­nie­rend emp­fin­den, dann sind wir offe­ner dafür, was noch kommt. Exzel­lente Leh­re­rIn­nen haben schon lange ver­stan­den, die­ses ein­fach Prin­zip regel­mä­ßig und sinn­voll in ihren Unter­richt einzubinden.

Die Stunde beginnt mit einer von zahl­rei­chen mög­li­chen Hook-Formen:

  1. Geschichte: Eine anre­gende, inter­es­sante oder span­nende Geschichte, die Prin­zi­pien des spä­te­ren Inhalts bereits beinhal­tet und neu­gie­rig macht, wie man selbst diese Prin­zi­pien anwen­den könnte
  2. Rät­sel: Ein kniff­li­ges, aber anspre­chen­des Rät­sel, des­sen Lösung man schluss­end­lich erst dann fin­det, wenn man den spä­ter behan­del­ten Inhalt ver­stan­den hat
  3. Ana­lo­gie: Eine Ana­lo­gie aus dem Leben der Zuhö­re­rIn­nen, die gleich­zei­tig ver­spricht, mit dem prä­sen­tier­ten Inhalt auch bes­ser mit der ana­lo­gen Situa­tion umge­hen zu können
  4. Mit­bring­sel / Mediale Unter­stüt­zung: Ein span­nen­der Gegen­stand, ein kurio­ses Video oder ein ver­blüf­fen­des Bild, das für sich selbst schon Auf­merk­sam­keit und damit auch Neu­gier auf den spä­te­ren Inhalt weckt
  5. Sta­tus–Erklä­rung: Eine beson­ders gelun­gene Arbeit von Zuhö­re­rIn­nen oder von einer beson­ders bekann­ten Per­son (z.B. Shake­speare) und warum diese Arbeit ihm/ihr zu solch gro­ßem Ruhm ver­hol­fen hat
  6. Her­aus­for­de­rung: Eine anre­gende Her­aus­for­de­rung, die zu Beginn unmög­lich erscheint, aber im Laufe der Ein­heit oder Prä­sen­ta­tion plötz­lich lös­bar wird

Dies ist aber gleich­zei­tig keine taxa­tive Liste, son­dern nur eine Samm­lung von Mög­lich­kei­ten. Im Grunde kann man alles ver­wen­den, was Neu­gier weckt. Gleich­zei­tig sollte einem bewusst wer­den, dass es kei­ner inten­si­ven Vor­be­rei­tung bedarf, um einen wirk­sa­men Hook zu haben und dass nicht wirk­lich wesent­lich viel Zeit ver­ge­hen muss, um den Hook durch­zu­füh­ren. Ganz im Gegen­teil. Der Hook sollte kurz, prä­gnant, posi­tiv, opti­mis­tisch und ener­ge­ti­sie­rend sein. Das funk­tio­niert meist nicht mit­tels einer 10-minütigen Anspra­che. Oft reicht nur ein ein­zi­ger Satz oder ein kur­zes Bei­spiel, um die Zuhö­re­rIn­nen auf das Thema zu fokus­sie­ren und Neu­gierde zu wecken. Natür­lich braucht man nicht für jede Stunde/jede Prä­sen­ta­tion einen beson­ders aus­ge­feil­ten Hook. Aber die Effek­ti­vi­tät der eige­nen Wis­sens­ver­mitt­lung kann mas­siv gestei­gert wer­den, wenn man seine Zuhö­re­rIn­nen auf sei­ner Seite hat. Die effek­tivs­ten Hooks bezie­hen sich direkt auf die Lebens­rea­li­tät der Zuhö­re­rIn­nen und füh­ren zum tat­säch­li­chen Bedürf­nis, sich mit dem nach­fol­gen­den Inhalt aus­ein­an­der zu set­zen. Hier ein kur­zes Bei­spiel für die Erar­bei­tung von sinn­vol­len Such­wör­tern aus Tex­ten für die effi­zi­ente Suche im Internet:

Ich möchte heute mit euch wet­ten. Und zwar wette ich, dass ich 5 eurer schwie­rigs­ten Fra­gen, die ich vor­her nicht kenne und die man nicht ein­fach so beant­wor­ten kann, inner­halb von 10 Sekun­den lösen kann. Ich weiß alles — gebt mir nur 10 Sekun­den! Außer­dem zeige ich euch, dass ihr das auch selbst könnt. Wer glaubt, dass das mög­lich ist? Gut, nicht sehr viele. Ich zeige euch wie. Zuerst brau­che ich 5 schwie­rige Fra­gen. [wir erar­bei­ten 5 schwie­rige und auf Anhieb unlös­bare Auf­ga­ben; z.B. Wie hoch ist der dritt­höchste Berg der Welt? Wie­viel kos­tet der teu­erste Kebap der Welt? etc.] Jetzt bitte ich euch mit­zu­stop­pen. Ich werde diese Fra­gen inner­halb von 10 Sekun­den beant­wor­ten. [Leh­re­rIn öff­net Inter­net, geht auf Google] Die Zeit läuft ab jetzt! [Leh­re­rIn sucht die Ant­wor­ten so schnell wie mög­lich — selbst, wenn man etwas län­ger braucht, ist das kein Pro­blem; der Effekt ist meist ver­blüf­fend genug] Habt ihr gese­hen, was ich da gemacht habe? Und jetzt sehen wir uns an, wie ihr das sel­ber auch machen könnt. Was habe ich denn ganz genau gemacht? …”

Es hat einen Grund, warum der Hook der wich­tigste Trick effek­ti­ver Leh­re­rIn­nen ist: Er funk­tio­niert. Jedes Mal. Ein zwei­ter Tipp: Unbe­dingt ausprobieren!

Noch mehr Tricks exzel­len­ter Leh­re­rIn­nen fin­dest du hier.

Bern­hard (28 Posts)

Bern­hard stu­dierte Inter­na­tio­nale Betriebs­wirt­schaft sowie Stra­te­gie, Inno­va­tion und Con­trol­ling mit den Schwer­punk­ten Inter­na­tio­na­les Mar­ke­ting, Unter­neh­mens­grün­dung, Inno­va­ti­ons­ma­nage­ment und Beha­vio­ral Finance in Wien, Mon­treal und Neu-Delhi. Er sam­melte in meh­re­ren inter­na­tio­na­len Pro­jek­ten und Unter­neh­men Erfah­run­gen im Bereich Con­sul­ting, Inno­va­ti­ons­ma­nage­ment, Social Entre­pre­neurship und Ven­ture Capi­tal. Der­zeit ist er als Leh­rer für Eng­lisch, Mathe­ma­tik und Infor­ma­tik an einer Neuen Mit­tel­schule im 10. Wie­ner Gemein­de­be­zirk tätig.