Über Lottogewinner und Weiterentwickler

 

Kata­stro­phe

awful dayEin anstren­gen­der Tag! Die ers­ten drei Stun­den gin­gen ja noch, aber die vierte… die vierte! Die Kin­der sind auf­ge­kratzt, weil die Stunde davor mit­ten im span­nends­ten Teil been­det wurde und sie anschlie­ßend nur mehr 2 Stun­den Tur­nen vom Heim­ge­hen und dem Wochen­ende abhal­ten. Sie haben keine Lust, sich schon wie­der einem neuen Fach zu wid­men und sich auf den nächs­ten — nicht ganz aus­ge­schla­fe­nen — Leh­rer ein­zu­las­sen. Von Anfang an rau­ben sie die­sem die Ner­ven, las­sen sich nicht zur Ruhe krie­gen und schät­zen den am Vor­abend bis nach Mit­ter­nacht aus­ge­klü­gel­ten Stun­den­plan nicht mit der Arbeits­ein­stel­lung, die sich die schein­bar geschei­terte Auto­ri­täts­per­son im Raum eigent­lich gewünscht hätte. Man­chen Leh­re­rIn­nen dürfte eine der­ar­tige Situa­tion (oder zumin­dest ver­gleich­bare Situa­tio­nen) durch­aus bekannt vor­kom­men. Das selbst gesetzte Lern­ziel wird mei­len­weit ver­fehlt, das Ner­ven­kos­tüm liegt blank, die Stim­mung ist im Kel­ler und schon soll man sich nach 5 Minu­ten Gang­auf­sicht wie­der in die nächste “Höhle des Löwen” wagen, wo erneut poten­zi­elle Ableh­nung war­tet!? Was denke ich dann erst im Fei­er­abend über die­sen Tag, wenn dann noch mehr schief geht?

Höhen­flug

nice dayEs kann aber auch kom­plett anders­herum sein: Was für ein Tag! Alle Kin­der hat­ten heute brav ihre Haus­übung gemacht — man­che sogar zusätz­li­che Übun­gen aus­ge­ar­bei­tet — und kamen mit offe­nen Ohren in die Stunde. Sogar in der 5. Stunde betritt die Lehr­kraft nach einer Reihe an Erfolgs­er­leb­nis­sen eine wei­tere Klasse und stößt auf… Begeis­te­rung… Begeis­te­rung über eine gut insze­nierte Kom­mu­ni­ka­tion des heu­ti­gen Lern­ziels. Die Leh­re­rin bringt die Klasse zum Flie­gen. Gedan­ken sau­sen durch den Raum, es wird dis­ku­tiert, aber auch zuge­hört, ent­geg­net, aber respek­tiert und gelacht, aber noch mehr gelernt. Die Kin­der schei­nen end­lich begrif­fen zu haben, warum sie diese eine Sache ver­ste­hen sol­len und wie das jetzt tat­säch­lich funk­tio­niert. Lehr­ziel erreicht. Was für ein Tag! Auch das ken­nen die meis­ten Leh­re­rIn­nen. Schön. Aber wenn man beide Situa­tio­nen die glei­che Lehr­kraft tref­fen, fragt man sich unwei­ger­lich, was denn da jetzt los ist. Bin ich eine gute Leh­re­rin? Bin ich ein schlech­ter Leh­rer? Sind die Schü­le­rIn­nen ein­fach nur manch­mal schreck­lich und manch­mal “nor­mal”? Wer bin ich selbst? Und wenn ja, wieviele?

Es kommt dar­auf an…

Eine groß­ar­tige Ant­wort mit der man sel­ten etwas anzu­fan­gen weiß. Sie könnte aber den­noch nicht rich­ti­ger sein. Noch genauer: es kommt auf 2 Sachen an:

  1. Mein Blick­win­kel: Wie denke ich über die Situa­tion und über meine Rolle darin? Was denke ich über meine eigene Effek­ti­vi­tät und mein Ver­hal­ten bzw. das Ver­hal­ten der Kinder?
  2. Meine Schluss­fol­ge­run­gen: Was lerne ich aus der Situa­tion? Wer hat “Schuld” bzw. wer kann was bes­ser machen? Und wie sol­len ähn­li­che Situa­tio­nen in Zukunft aussehn?

selbstreflexionUm Ant­wor­ten dar­auf zu fin­den bedarf es eines Pro­zes­ses, der wohl wich­ti­ger für unsere eigene (Weiter)Entwicklung nicht sein könnte: der Refle­xion. Der Schlüs­sel für neue Hand­lungs­al­ter­na­ti­ven, neue Ansätze und kurzum für Erfolg ist also die­ser sim­ple ver­glei­chende Denk­vor­gang mit genau einem Ziel, näm­lich Erkennt­nisse über Ver­gan­ge­nes zu gewin­nen, die für anste­hende Ent­schei­dun­gen und künf­ti­ges Han­deln genutzt wer­den kön­nen. Dabei geht es aber nicht nur um Pro­bleme, son­dern auch um die eige­nen Glanz­leis­tun­gen. same old same oldChris­tina Hager von der Päd­ago­gi­schen Hoch­schule Wien schreibt dazu folgendes:

[Die Refle­xion ist ein] Lern­pro­zess, auf des­sen Grund­lage per­sön­li­che Wei­ter­ent­wick­lung über­haupt erst mög­lich ist. Das gilt vor allem im pro­fes­sio­nel­len Bereich […]: Ver­ant­wor­te­tes und ver­ant­wort­ba­res Han­deln ist ohne das Kor­rek­tiv beglei­ten­der Refle­xion […] nicht denk­bar. Dabei ist päd­ago­gi­sches Den­ken auch sich selbst gegen­über ange­bracht: Lehrerinnen/Lehrer sind allzu oft dar­auf fixiert, Feh­ler zu fin­den und zu ver­mei­den. Ihre Refle­xion beschränkt sich fol­ge­rich­tig leicht dar­auf, her­aus­fin­den zu wol­len, was sie bes­ser machen kön­nen. Aber: Wer nicht weiß, was er gut macht und warum es gut ist, kann seine Stär­ken nicht aus­bauen und auch nicht zum Aus­glei­chen vor­han­de­ner Schwä­chen nut­zen! Nach beson­ders gelun­ge­nem Unter­richt, einer gran­dios gelös­ten Situa­tion ist es enorm wich­tig, sich dar­über klar zu wer­den, WARUM man so erfolg­reich war! Ohne diese Refle­xion gleicht der Erfolg einem Lot­to­ge­winn: erfreu­lich, aber nicht wiederholbar.”

Be Happy - it doesn't hurtDie Dis­zi­plin der posi­ti­ven Psy­cho­lo­gie streicht diese Art der stär­ken­ori­en­tier­ten Selbst­re­fle­xion auch als ein klei­nes Wun­der­mit­tel für Glück und Zufrie­den­heit her­vor. Sich regel­mä­ßig Gedan­ken dar­über zu machen, was gut gelau­fen ist und warum, kon­di­tio­niert das eigene Den­ken nicht nur auf die Kon­zen­tra­tion auf Posi­ti­ves und damit auf die Stär­kung der selbst emp­fun­de­nen Effek­ti­vi­tät, son­dern bringt uns auch ganz auto­ma­tisch auf einen von Erfol­gen gepflas­ter­ten Ent­wick­lungs­pfad. Hier soll Platz sein für genau die­ses Wun­der­mit­tel, das Zufrie­den­heit und per­sön­li­che Wei­ter­ent­wick­lung glei­cher­ma­ßen ver­spricht. Platz für alle, die sich auch ein­mal über kleine (oder grö­ßere) Erfolge freuen möch­ten. Platz für Hel­den­ta­ten und Klei­nig­kei­ten, für Dinge, die posi­tiv gelau­fen sind und für alles, was wir dar­aus ler­nen kön­nen. Nur eine Regel gibt es: Bleib posi­tiv. Teile auch du deine Refle­xion auf Eh nur 21!? und Sei dabei! Es wird Zeit, nicht nur Feh­ler zu suchen, son­dern öfter auch auf “die gute Seite” zu wech­seln. Los gehts!

Bern­hard (28 Posts)

Bern­hard stu­dierte Inter­na­tio­nale Betriebs­wirt­schaft sowie Stra­te­gie, Inno­va­tion und Con­trol­ling mit den Schwer­punk­ten Inter­na­tio­na­les Mar­ke­ting, Unter­neh­mens­grün­dung, Inno­va­ti­ons­ma­nage­ment und Beha­vio­ral Finance in Wien, Mon­treal und Neu-Delhi. Er sam­melte in meh­re­ren inter­na­tio­na­len Pro­jek­ten und Unter­neh­men Erfah­run­gen im Bereich Con­sul­ting, Inno­va­ti­ons­ma­nage­ment, Social Entre­pre­neurship und Ven­ture Capi­tal. Der­zeit ist er als Leh­rer für Eng­lisch, Mathe­ma­tik und Infor­ma­tik an einer Neuen Mit­tel­schule im 10. Wie­ner Gemein­de­be­zirk tätig.


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