Vision statt Halluzination

 

Leh­re­rIn­nen haben viel zu sagen. Sie strot­zen nur so vor Exper­ten­wis­sen in ihrem jewei­li­gen Fach­be­reich. Was sie aber alle­samt wis­sen, ist, dass die bes­ten Inhalte nur dann auch wirk­lich beim End­ab­neh­mer, also den Schü­le­rIn­nen, ankom­men, wenn diese lern­be­reit und –wil­lig sind. Diese Rea­li­sie­rung kann zur über­has­te­ten Ernüch­te­rung füh­ren, wenn man sich tag­täg­lich anstatt mit Wis­sens­ver­mitt­lung um Erzie­hungs­ar­beit und Dis­zi­plin im Klas­sen­zim­mer küm­mern muss. Da die­ses Pro­blem aber seit Jahr­zehn­ten von den ver­schie­dens­ten Leh­re­rIn­nen in den ver­schie­dens­ten Lern­um­ge­bun­gen immer wie­der erfah­ren wird, gibt es auch wert­volle und bewie­sene Tipps und Tricks, um den Schü­le­rIn­nen nicht das Fürch­ten, son­dern das Ler­nen zu leh­ren und nicht den Kampf, son­dern die Freude am Ent­de­cken anzu­sa­gen. Das hört sich sim­pel an, doch wie so oft wir­ken auch diese Wun­der­pil­len nicht über­nacht. Übung macht den Lehr­meis­ter. (Warum sollte ich das lesen, selbst wenn ich keinE Leh­re­rIn bin?)

Erfolg­rei­che Füh­rungs­kräfte wis­sen es schon lange und exzel­lente Leh­re­rIn­nen machen es tag­täg­lich vor: Eine gemein­same Vision kann Berge ver­set­zen. Sie gibt uns nicht nur einen schlüs­si­gen Grund, warum wir etwas tun sol­len, son­dern auch einen Sinn davon, wohin wir uns gemein­sam bewe­gen. Wie­derum ist es aber ein Punkt, der von vie­len schwer unter­schätzt und als sinn­lose Zeit­ver­schwen­dung abge­tan wird. Dabei zeigt sich immer wie­der, dass Orga­ni­sa­tio­nen oder Klas­sen­zim­mer mit einer star­ken, gut kom­mu­ni­zier­ten Vision alle ande­ren mit­tel– bis lang­fris­tig über­flie­gen und zu Ergeb­nis­sen kom­men, die posi­ti­ver nicht sein könn­ten. Die Vision an sich ist nicht viel mehr als ein men­ta­les Bild eines Zustan­des in der Zukunft, der ein­tre­ten kann, gepaart mit der Über­zeu­gung, dass er auch ein­tre­ten soll. Die­ses men­tale Bild eines erwünsch­ten Erfolgs in der Zukunft hat aber unglaub­li­che Aus­wir­kun­gen auf unser täg­li­ches Handeln.

visionWenn wir die Rich­tung ken­nen, in die wir gehen wol­len und davon auch wirk­lich über­zeugt sind, rich­ten sich die Inhalte und die Prin­zi­pien, die wir tag­täg­lich ver­fol­gen auch ganz auto­ma­tisch an die­sem Ziel aus. Die Vision wird zur Leit­schiene unse­res Roadtrips Rich­tung Erfolg. Sie gibt uns somit auch meist rela­tiv schnelle Ant­wor­ten auf Fra­gen, wie “zahlt es sich wirk­lich aus, das heute anzu­spre­chen oder zu machen?”, “muss ich dar­auf Wert legen?” oder “bringt uns das jetzt wirk­lich wei­ter?”. Sich selbst mehr als Füh­rungs­kraft zu ver­ste­hen, als als rei­ner Wis­sens­ver­mitt­ler ist der erste Schritt in diese Rich­tung. Doch gibt es auch noch andere Punkte, die wir unbe­dingt beach­ten soll­ten, damit das Klas­sen­zim­mer zum Flie­gen beginnt:

  1. Sim­ple Kom­mu­ni­ka­tion: Die Vision muss so ein­fach wie mög­lich kom­mun­ziert wer­den, um wirk­lich effek­tiv zu sein. JedeR muss die Vision ver­ste­hen kön­nen und wis­sen, wo es lang geht. JedeR muss ein Gefühl dafür bekom­men, ob der Weg der rich­tige, der glei­che und der sinn­vollste ist und ver­ste­hen, ob und wann man vom Weg abge­kom­men ist und wie man wie­der zurück­fin­det. Die Vision muss in den Köp­fen aller Betei­lig­ten hän­gen blei­ben und dazu ist es not­wen­dig, dass sie ohne Umschweife oder zu kom­pli­zierte For­mu­lie­run­gen kom­mu­ni­ziert wird. “Wir wol­len so gut wer­den in Eng­lisch, dass wir
  2. Durch­dach­ter Auf­bau: Die Vision sollte nicht ein­fach ein Hirn­ge­spinst oder eine will­kür­li­che Idee einer Füh­rungs­kraft sein, son­dern klar abge­lei­tet von den Anfor­de­run­gen der Schü­le­rIn­nen und den Lehr­plans wer­den. Dabei ist es wich­tig, zuerst das Pro­blem bzw. die Pro­bleme zu iden­ti­fi­zie­ren, einen mög­li­chen Lösungs­weg dar­auf auf­bau­end vor­zu­schla­gen und schließ­lich ein “Warum?” zu geben, das anzie­hend genug ist, um die Ener­gien einer Gruppe bün­deln zu können.
  3. Wie­der­ho­lung: Damit die Vision auch tat­säch­lich Rea­li­tät wer­den kann, muss sie in den Köp­fen aller Betei­lig­ten fest sit­zen und unser täg­li­ches Han­deln lei­ten. Die ein­zige Mög­lich­keit um dies auch wirk­lich zu gewähr­leis­ten, ist kon­stante Wie­der­ho­lung. Die Vision sollte somit nicht nur leicht ver­ständ­lich und allen klar sein, son­dern auch immer wie­der auf­ge­grif­fen wer­den, damit sie auch wirk­lich in den Köp­fen aller hän­gen bleibt.
  4. Fei­ern: Wenn ein­zelne Mei­len­steine erreicht wer­den, sich beson­ders gute Leis­tun­gen ein­stel­len oder die Gruppe auf dem rich­ti­gen Weg geht und dort auch bleibt, sollte das auch regel­mä­ßig gefei­ert wer­den. Ein rei­nes Zie­len in die Zukunft ver­liert an Zug­kraft, wenn es nicht mit posi­ti­ven Emo­tio­nen ver­knüpft wird. Auch wenn ein gutes “Warum?” diese Funk­tion für eine Weile erfül­len kann, ist es schwer diese Moti­va­tion über län­gere Zeit auf­recht zu erhal­ten, wenn keine zusätz­li­chen, posi­ti­ven Erleb­nisse damit ver­bun­den wer­den. Eine Vision ist meist sehr lang­fris­tig gewählt und das Auf­schie­ben der Beloh­nung auf einen Zeit­punkt, der zu weit in der Zukunft liegt, lässt uns oft ver­ges­sen, wie befrie­di­gend es sein wird, die­sen Zustand auch zu errei­chen. Gerade auch, wenn täg­li­che Ablen­kun­gen so viel reiz­vol­ler, weil unmit­tel­ba­rer, sein kön­nen. Der Schlüs­sel ist somit ein regel­mä­ßi­ges Fei­ern klei­ne­rer Mei­len­steine auf dem Weg zum gro­ßen Ziel.

Hier gibt es zwei (eng­li­sche) Bei­spiele von rela­tiv kur­zen und gut durch­dach­ten Visio­nen: Vision 1, Vision 2. Wie diese Visio­nen schluss­end­lich aber kom­mu­ni­ziert und gelebt wer­den, ist natür­lich wie­derum unterschiedlich.

Noch mehr Tricks exzel­len­ter Leh­re­rIn­nen fin­dest du hier.

Bern­hard (28 Posts)

Bern­hard stu­dierte Inter­na­tio­nale Betriebs­wirt­schaft sowie Stra­te­gie, Inno­va­tion und Con­trol­ling mit den Schwer­punk­ten Inter­na­tio­na­les Mar­ke­ting, Unter­neh­mens­grün­dung, Inno­va­ti­ons­ma­nage­ment und Beha­vio­ral Finance in Wien, Mon­treal und Neu-Delhi. Er sam­melte in meh­re­ren inter­na­tio­na­len Pro­jek­ten und Unter­neh­men Erfah­run­gen im Bereich Con­sul­ting, Inno­va­ti­ons­ma­nage­ment, Social Entre­pre­neurship und Ven­ture Capi­tal. Der­zeit ist er als Leh­rer für Eng­lisch, Mathe­ma­tik und Infor­ma­tik an einer Neuen Mit­tel­schule im 10. Wie­ner Gemein­de­be­zirk tätig.