Wie entsteht das Image unserer Lehrer/innen?

 
“Es ist nicht ein­fach, eine Klasse zum Flie­gen zu brin­gen, schrieb der Kul­tur­jour­na­list Valen­tin Her­zog ein­mal in der ‘Welt­wo­che’. Es gebe wahr­schein­lich nicht viele Berufe, an die von der Gesell­schaft so wider­sprüch­li­che Anfor­de­run­gen gestellt wer­den wie an den Beruf der Leh­re­rin­nen und Lehrer:
Gerecht soll er sein, der Leh­rer, und zugleich mensch­lich und nach­sich­tig, straff soll er füh­ren, doch takt­voll auf jedes Kind ein­ge­hen, Bega­bun­gen wecken, päd­ago­gi­sche Defi­zite aus­glei­chen, Sucht­pro­phy­laxe und Aids-Aufklärung betrei­ben, auf jeden Fall den Lehr­plan ein­hal­ten, wobei hoch­be­gabte Schü­ler glei­cher­ma­ßen zu berück­sich­ti­gen sind wie begriffsstutzige.
“Der Leh­rer hat die Auf­gabe, eine Wan­der­gruppe mit Spit­zen­sport­lern und Behin­der­ten bei Nebel durch unweg­sa­mes Gelände in nord­süd­li­cher Rich­tung zu füh­ren, und zwar so, dass alle bei bes­ter Laune und mög­lichst gleich­zei­tig an drei ver­schie­de­nen Ziel­or­ten ankommen.”
Valen­tin Her­zog (Die Welt­wo­che, 2.Juni 1988)

Trotz die­ses enor­men Leis­tungs­um­fangs und –drucks wer­den Lehrer/innen meist nur zu bestimm­ten Zei­ten the­ma­ti­siert, wenn­gleich eine kon­stante und kon­struk­tive Dis­kus­sion, über wohin sich denn unser Schul­sys­tem und mit ihm unsere Lehrer/innen hin­ent­wi­ckeln soll­ten, schon lange über­fäl­lig wäre. Die Bil­dungs­de­batte in der Öffent­lich­keit wird meist aus­schließ­lich wäh­rend Gehalts­ver­hand­lun­gen (und auch wäh­rend Wahl­zei­ten) ange­sto­ßen und for­ciert. Es kommt regel­mä­ßig zu nega­ti­ven Bericht­er­stat­tun­gen und Kri­tik an der Leh­rer­schaft. Diese Ver­bin­dung von poli­ti­schem Druck und oppor­tu­nis­ti­scher Medi­en­nut­zung lässt sich über Jahre hin­weg zurück verfolgen.

Ein wei­te­rer gro­ßer Teil des Leh­rer­bil­des in der Öffent­lich­keit ist durch die eige­nen Schul­er­fah­run­gen der Bevöl­ke­rung geprägt. Nach­dem jeder Erwach­sene min­des­tens 9 Jahre in der Schule zuge­bracht hat und somit glaubt, sich ein­ge­hend mit der The­ma­tik beschäf­tigt zu haben, den­ken alle sie seien Exper­ten auf die­sem Gebiet. jeder_ist_experteDie­sem Trug­schluss lie­gen sogar – und das ist wahr­schein­lich noch gra­vie­ren­der – die objek­tivs­ten aller Journalist/innen auf, die ihre eige­nen Erfah­run­gen als hin­rei­chende Vor­ab­re­cher­che qua­li­fi­zie­ren und auf Basis die­ser meist Jahre bis Jahr­zehnte zurück­lie­gen­den Erfah­run­gen ihre Bericht­er­stat­tung gestal­ten. Und all das geschieht, obwohl sich gerade auch im Leh­rer­be­ruf stän­dig sehr viel ver­än­dert und prägt somit ein rück­wärts­ge­rich­te­tes Bild in der Öffentlichkeit.

Nicht zuletzt kommt auch rei­ße­ri­schen Klein­for­ma­ten (Heute, Öster­reich & Co) eine große Rolle in der Bil­dung des öffent­li­chen Lehrer/innenbildes zu. Durch unzu­rei­chend recher­chierte Tat­be­stände, feh­ler­haft oder mut­wil­lig gefälschte Sta­tis­ti­ken oder schlicht die For­cie­rung eines nega­ti­ven Bil­des zie­hen sie den Leh­rer­be­ruf regel­mä­ßig nach unten und tra­gen ihres bei zum wenig vor­teil­haf­ten Image Öster­reichs Lehrender.

All diese Beob­ach­tun­gen decken sich groß­teils auch mit mei­nen Beob­ach­tun­gen. Jeder hat seine eigene Mei­nung über die Schule und über Lehrer/innen, obwohl diese schon zum Zeit­punkt der Mei­nungs­äu­ße­rung stark ver­jährt ist. Die­ses Ver­hal­ten nährt Vor­ur­teile und Ste­reo­ty­pen oder hält diese ein­fach nur am Leben und sorgt dafür, dass sich das öffent­li­che Bild der Leh­rer­schaft nur lang­sam ver­än­dert. Die unzu­rei­chende Recher­che — ob aus umsatz­be­ding­tem Kal­kül, Zeit­man­gel oder schlich­tem Unwis­sen her­aus, ist hier wohl nicht wirk­lich von Bedeu­tung — von Tages­zei­tun­gen steht auf der Tages­ord­nung (und das nicht nur im Bil­dungs­be­reich). Und dass das oppor­tu­nis­ti­sche Auf­brin­gen von Kri­tik­punk­ten vor Gehalts­ver­hand­lun­gen und Wah­len ein Pro­blem ist, kann man auch bei ande­ren Berufs­grup­pen, wie den Ärz­ten, sehr gut verfolgen.

Was hilft? Wohl ein­zig und allein kri­ti­scher Medi­en­kon­sum. Viel­leicht aber sollte sich die Leh­rer­schaft auch von ande­ren regel­mä­ßig unter Beschuss ste­hen­den Berufs­grup­pen (Poli­ti­ker, Ärzte, Vor­stände von klei­nen und gro­ßen Unter­neh­men, etc.) ler­nen, wie man sich in der Öffent­lich­keit auch posi­tiv ver­kau­fen kann, selbst wenn andere kon­stant ein abträg­li­che­res Bild zu ver­brei­ten versuchen.
Bern­hard (28 Posts)

Bern­hard stu­dierte Inter­na­tio­nale Betriebs­wirt­schaft sowie Stra­te­gie, Inno­va­tion und Con­trol­ling mit den Schwer­punk­ten Inter­na­tio­na­les Mar­ke­ting, Unter­neh­mens­grün­dung, Inno­va­ti­ons­ma­nage­ment und Beha­vio­ral Finance in Wien, Mon­treal und Neu-Delhi. Er sam­melte in meh­re­ren inter­na­tio­na­len Pro­jek­ten und Unter­neh­men Erfah­run­gen im Bereich Con­sul­ting, Inno­va­ti­ons­ma­nage­ment, Social Entre­pre­neurship und Ven­ture Capi­tal. Der­zeit ist er als Leh­rer für Eng­lisch, Mathe­ma­tik und Infor­ma­tik an einer Neuen Mit­tel­schule im 10. Wie­ner Gemein­de­be­zirk tätig.


Source :

Bild­quel­len