Wie man Persönlichkeit lehrt und positive Lernumgebungen schafft

 

Wie­der ein­mal ist es so weit. Coursera (www.coursera.org), die welt­weit größte und erste wirk­lich funk­tio­nie­rende Platt­form für MOOCs (Mas­sive Open Online Cour­ses), hat mich wie­der gepackt. Und die­ses Mal mit einem Thema, das so span­nend klingt, dass man am liebs­ten sofort star­ten würde. Bis 9. Februar müs­sen wir uns aber noch gedul­den. Nach “Beha­vio­ral Eco­no­mics”, “Social Psy­cho­logy” und “Gami­fi­ca­tion” freue ich mich die­ses Mal auf “Teaching Cha­rac­ter and Crea­ting Posi­tive Class­rooms”, ein 4-wöchiger Kurs mit einem unge­fäh­ren Arbeits­pen­sum von 3 Stun­den/Woche. Hier ein kur­zer Ein­blick und ein biss­chen Wer­bung für eine Seite, die exzel­lente Bil­dung in allen mög­li­chen Berei­chen gra­tis über das Inter­net zur Ver­fü­gung stellt und auf wel­cher man sich ein indi­vi­du­el­les Stu­dium zusam­men­stel­len könnte, das die Cur­ri­cula von Prä­sen­zu­nis hier­zu­lande und auch anderswo vor Neid erblas­sen ließe.

“When you ask par­ents about their goals for their child­ren, they almost always respond with terms like, “suc­cess­ful,” “happy,” “curious,” and “being kind to others.” But when you ask schools about their goals, they often reply in terms of aca­de­mic con­tent, like “alge­bra,” “subject-verb agree­ment,” and “the perio­dic table.”
Great teachers have always united those two visions.”

Teaching Cha­rac­ter and Crea­ting Posi­tive Class­rooms — course description

Dass Leh­rer­sein nicht nur bedeu­tet, gut mit Kin­dern zu kön­nen und fach­lich in der eige­nen Dis­zi­plin firm zu sein, ist wohl unbe­strit­ten. Alleine in der kur­zen Kurs­be­schrei­bung wer­den 3 Berei­che genannt, in denen gerade in den letz­ten Jah­ren sehr viele Ergeb­nisse unser Ver­ständ­nis des Ler­nens dra­ma­tisch erwei­tert und/oder ver­än­dert haben: Psy­cho­lo­gie, Sozio­lo­gie und — wahr­schein­lich der Spit­zen­rei­ter bei neuen Erkennt­nis­sen — die Neu­ro­wis­sen­schaf­ten. Aus all die­sen Dis­zi­pli­nen kann man span­nende Ein­sich­ten zur Ver­bes­se­rung des eige­nen Klas­sen­kli­mas und Leh­rens erwarten.

Haupt­säch­lich ver­sucht der Kurs aber zwei oft schein­bar kon­kur­rie­rende Ideen von Bil­dung mit­ein­an­der zu ver­knüp­fen. Einer­seits soll die Schule und das gemein­same Ler­nen mit ande­ren den Cha­rak­ter, die Per­sön­lich­keit, stär­ken. Eltern möch­ten für ihre Kin­der Zufrie­den­heit im spä­te­ren mög­lichst selbst bestimm­ten Leben. Dann sol­len sie auch noch neu­gie­rig blei­ben und glück­lich und erfolg­reich und natür­lich höf­lich im Umgang mit ande­ren. Auch sol­len Schü­le­rIn­nen ein Grund­maß an Dis­zi­plin ler­nen und mit ein­zu­hal­ten­den Regeln umge­hen können.

Leh­re­rIn­nen bekom­men diese Auf­gabe eher impli­zit als expli­zit über­tra­gen — die­ser Teil der Bil­dung wird ja auch nicht beno­tet (mit Aus­nahme einer eher frag­wür­di­gen Ver­hal­tens­note) oder in Standards-Überprüfungen abge­tes­tet. Man möchte fast mei­nen, der Öffent­lich­keit läge nicht allzu viel am Prin­zip “Lebens­schule”, son­dern mehr am zwei­ten gro­ßen Teil, den aka­de­mi­schen Leis­tun­gen oder bes­ser noch der Beherr­schung der ver­schie­de­nen zu leh­ren­den Kon­zepte und deren Umset­zung im spä­te­ren Berufs­le­ben. Viel­fäl­tige Chan­cen im spä­te­ren Leben, Zufrie­den­heit, Selbst­be­stimmt­heit und Erfolg brau­chen aber bei­des — nur dann kann man von guter Bil­dung spre­chen. Betrach­tet man Schule ein­mal objek­tiv, so zie­len wir als Gesell­schaft haupt­säch­lich auf den letz­te­ren Bestand­teil des­sen, was gute Bil­dung also aus­ma­chen soll. Daher schei­nen die Ent­wick­lung der Per­sön­lich­keit und die der aka­de­mi­schen Leis­tun­gen oft­mals auch kon­kur­rie­rende Ideen zu sein.

Der Kurs um Pro­fes­sor Levin ver­spricht, genau hier Über­schnei­dun­gen auf­zu­de­cken und Kon­zepte zu prä­sen­tie­ren, die einen in der Klasse Per­sön­lich­keit leh­ren und eine posi­tive Lern­um­ge­bung schaf­fen las­sen. Wenn das mal nicht über­zeu­gend klingt. Einen Ver­such sollte es aber (auch nur mar­gi­nal) inter­es­sier­ten Leh­re­rIn­nen und allen ande­ren, die an (per­sön­li­cher) Wei­ter­ent­wick­lung inter­es­siert sind, schon Wert sein. Der Kurs ist ja auch gra­tis. Ein­zige Inves­ti­tion — und ich weiß, wie kost­bar diese ist: 3 Stun­den pro Woche Inspi­ra­tion und neues Wis­sen tan­ken. Das lässt sich verkraften.

Hier geht es zum Kurs auf www.coursera.org

Bern­hard (28 Posts)

Bern­hard stu­dierte Inter­na­tio­nale Betriebs­wirt­schaft sowie Stra­te­gie, Inno­va­tion und Con­trol­ling mit den Schwer­punk­ten Inter­na­tio­na­les Mar­ke­ting, Unter­neh­mens­grün­dung, Inno­va­ti­ons­ma­nage­ment und Beha­vio­ral Finance in Wien, Mon­treal und Neu-Delhi. Er sam­melte in meh­re­ren inter­na­tio­na­len Pro­jek­ten und Unter­neh­men Erfah­run­gen im Bereich Con­sul­ting, Inno­va­ti­ons­ma­nage­ment, Social Entre­pre­neurship und Ven­ture Capi­tal. Der­zeit ist er als Leh­rer für Eng­lisch, Mathe­ma­tik und Infor­ma­tik an einer Neuen Mit­tel­schule im 10. Wie­ner Gemein­de­be­zirk tätig.


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